Wie wohl kaum eine Eigenschaft zeichnet den Offizier die Fähigkeit zur eigenen Meinung und zur Kritik aus. 

Seine Überzeugung offen und frei gegenüber dem Vorgesetzten zu vertreten, ist unbedingte Voraussetzung für das Vertrauensverhältnis, ohne das ein erfolgreicher Führungsvorgang und die Auftragstaktik nicht denkbar sind.

 

 Wir müssen das, was wir denken
auch sagen.
Und wir müssen das, was wir sagen,
dann auch tun.
Und wir müssen das, was wir tun,
wirklich sein! 

Alfred Herrhausen

Der Grundsatz "Suaviter in modo - fortiter in res", also "angenehm im Ton, aber fest in der Sache" beschreibt dabei die Richtschnur des Auftretens.

Vorauseilender Gehorsam und "Katzbuckeln" haben in der modernen Armee keinen Platz!

Dies um so mehr, wenn es um die Fürsorge gegenüber den anvertrauten Soldaten geht.

Einen "eigenen Kopf haben", sich Gedanken machen, eine eigene Meinung bilden und diese auch gegen Widerstände zu vertreten, macht eine eigenständige Persönlichkeit aus.

Dazu gehört aber auch die Fähigkeit zur Loyalität, das zu seinem Wort Stehen und die konsequente Pflichterfüllung - aufrecht seinen Weg gehen!

General a.D. Klaus Naumann   "Generalinspekteurbrief 1/95 vom 18.02.1995"

III. 40 Jahre Bundeswehr

...Führung, Ausbildung, vor allem aber Erziehung und Innere Führung erhalten gerade vor diesem Hintergrund neue Bedeutung.

Es gilt, den Soldaten aller Dienstgrade Leitlinien ethisch-moralischen Handelns zu geben. 

Wir brauchen mehr denn je gefestigte Soldaten mit Standvermögen und Zivilcourage, nur sie werden auch im Einsatz Mut beweisen.

Wir werden uns aber auch erneut daran erinnern müssen, dass es gute soldatische Tradition ist, mit konstruktiver Kritik zur Lösung beizutragen, bevor Entscheidungen getroffen sind, dann aber gefällte Entscheidungen loyal zu vertreten.

 

Major i. G. Rolf Elble    "Vom künftigen deutschen Offizier", um 1956, S. 92:

Man hat sich immer wieder, vor allem nach dem zweiten Weltkrieg, über die soldatische Gewohnheit, dem Vorgesetzten in betont straffer Haltung gegenüberzutreten, mokiert. 

Macht man sich die Mühe eines kurzen Nachdenkens, so müsste man zur Ansicht kommen, daß das im zivilen Leben übliche "Katzbuckeln" viel eher als Zeichen devoten Untertanengeistes anzusprechen, als die aufrechte Haltung eines Mannes vor seinem Vorgesetzten.

Besonders der Offizier kann bereits im Frieden in die Lage kommen, zum Wohle der ihm anvertrauten Männer einem Vorgesetzten gegenüber eine abweichende Meinung zu vertreten.

Im Kriege hängt davon nicht nur wie im zivilen Bereich Stellung und Zukunft dessen, der die andere Ansicht zu vertreten wagt ab, sondern häufig das Leben von Soldaten.

Die Form einer solchen Aussprache wird durch die aufrechte Haltung des Vortragenden in einen betont korrekten Rahmen gezwungen. Den Geist aber, seine Ansicht unbeschadet eigener Nachteile zu vertreten, sollte der junge Mann schon bei der Bewerbung für diesen Beruf mitbringen. ...

Aus diesem Grunde erscheint es nötig, Menschen mit Anlagen zur Liebedienerei und Speichelleckerei nicht zu diesem Beruf zuzulassen.

Solche Typen machen sich im Frieden lächerlich; im Krieg aber gefährden sie die Existenz der ihnen anvertrauten Männer, weil sie nicht die Sache, sondern das Wohlwollen des Vorgesetzten zum Maßstab ihres Handelns machen!

 

Jeder Staatsdiener hat doppelte Pflicht:

Gegen den Landesherrn und gegen das Land.

Kann wohl vorkommen, daß die nicht vereinbar sind.

Dann aber ist die gegen das Land die Höhere.

 

Friedrich Wilhelm III.